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6. RUNDE

Vorproduzierter Textbaustein

Da schon wieder nichts Entscheidendes passiert ist (Remis...Remis...Remis...), hier mal ein paar philosophische Betrachtungen zur Geschichte der HEM und dem Konfliktfeld Breitenschach/Spitzenschach. Diese sind rein subjektiv und ein wenig zu reddmannzentrisch, aber das ist das Privileg des Mannes an der Tastatur. Ich habe versucht, fair und sachlich zu bleiben, aber zur Sicherheit nochmal ein Disclaimer für alle Leser: Dieser Kommentar stellt *nicht* eine irgendwie geartete offizielle Position des HSchV dar.
Ich tus auch nie wieder :P

Wer so alt ist wie der Berichterstatter, kann sich noch daran erinnern: 1995 wurde Reddmann Hamburger Meister. Damit eine solche Katastrophe nie wieder passiert :-), wurde 1998 die Internationale Hamburger Einzelmeisterschaft erfunden. Das war zum einen eine große sportliche Bereicherung (rannten die GMs doch Hamburg die Bude ein), zum anderen kollidierte es bald aber mit der Idee, den besten Hamburger via Qualifikation über die HEM zur DEM zu schicken. Denn *Hamburger* GMs machten sich weiter eher rar. (Wozu auch? Die HEM ist definitiv nicht die einzige, aber eine wohl unattraktive Qualifikation. Nehmen wir mal wahlslos die jüngste DEM 2017, HEM-Qualifikant Jakob Goepfert wurde leider abgewatscht, dafür hatten wir trotzdem gute Erfolge Hamburger Spieler: Huschenbeth an 4, Svane an 5, Kollars an 7 und Luis Engel an 22, ich schätze, Niklas hatte einen Freiplatz, Rasmus war Vorjahreszweiter und die anderen haben sich über Jugendmeisterschaften qualifiziert.)
Eine rühmlich Ausnahme war GM Karsten Müller, aber nach seiner erzwungenen Schachpause endeten die IHEM oft mit einem Schweizer Gambit, und Meister wurde, wer sich in der letzten Runde nach ganz vorne schwindelte, während der Berichterstatter auf dem Höhepunkt seiner Schachlaufbahn einen GM nach dem anderen verdrosch, aber ständig einen neuen vorgesetzt bekam, bis er vor Erschöpfung zusammenklappte.
Mission accomplished.

Zehn Jahre später. Mit dem Erfolg der IHEM trocknete leider in gleichem Maße in den darunterliegenden Klassen die HET aus. Ungefähr zur gleichen Zeit, als Reddmann das Schachspielen verlernte, bemerkte die Vereinsbasis des HSchV plötzlich, daß man jährlich fremde GMs mit so zehntausend Ücken alimentierte, ein nicht zu knapper Etatposten, und fragte: WARUM? Und was tun wir für das Breitenschach? Und da der HSchV immer noch eine Basisdemokratie ist, war das dann das prompte Ende der IHEM. Blöde Idee, denn a) war im übernächsten Jahr Reddmann schon wieder Meister :P und b) hatten nun auch die IMs keine Lust mehr, für einen Appel und n Ei neun Tage zu investieren. (Der aufmerksame Leser wird korrekt vermuten, daß b) die Voraussetzung zu a) ist.) Dies führte zu einer Krise der HEM. Es wurde dann konsequent versucht, die HEM wenigstens wieder zu einer großen breitensportlichen Veranstaltung zu machen, und die ständig steigenden Teilnehmerzahlen sprechen dafür, daß dieses Konzept gelungen ist. (Wenn die Erinnerung nicht trügt, haben allerdings in grauer Vorzeit schon die HET-Vorrunden weit mehr als 90 Spieler gehabt - bitte recherchieren.)

Lösungskonzepte zu Gunsten quengelnder Spitzenspieler? Dem Berichterstatter (der ja offiziell auch Meistervertreter ist) fallen leider auch keine ein. Sogar die DEM krankt, in größerem Format, am gleichen Problem - das Geld ist alle, die Spitze hat damit keine Lust und die Satzung garantiert die Qualifikation auf die nächsthöhere Ebene, sodaß eine DEM-Top, gesponsert, gewerbemüllt, gehotelzwangsbeabgabt, genewsflasht auf allen Kanälen und mit den besten Spielern, plus eine DEM-Patzer für die Qualifikanten aus den Bundesländern (doch doch, man vergleiche z.B. mal einige abfällige Kommentare diesbezüglich auf schachfeld.de, *ich* habe das jedenfalls nicht gesagt, schließlich gehöre ich selbst zu den Patzern...) wohl schlichtweg satzungswidrig wäre. Ähnliche Vorschläge für die HEM kamen bereits auf den Tisch und haben erst einmal das gleiche Problem. (Gerade heute warf mir gegenüber unser Oberschiedsrichter Hugo Schulz den Gedanken in den Raum, eine Top-Spielklasse der HEM einzurichten, mit moderatem Preisgeld und der Möglichkeit, Normen zu erzielen, i.e. ELO-Deckelung. Und wenn ich jetzt eine Qualifikation von der letzten HEM habe, aber wieder unter 2200 geplumpst bin, fliege ich dann raus? Die entsprechenden Regeln sauber hinzukriegen, vielleicht mit Änderung der Satzung, zu der auch noch die Basis zustimmen müsste, schätze ich als schwieriger ein als mal 1000€ für die HEM zusammenzukratzen.)
Einen Sponsor anwerben? Von hier aus nochmal ein herzliches Danke an ChessBase für die freundliche Unterstützung der HEM mit Sachpreisen...aber ein GM gibt dir für eine CD nicht mal ein Autogramm. :P Und natürlich müsste die Veranstaltung für den Sponsor (sportlich) attraktiv sein, womit sich wieder die Katze in den Schwanz beißt.

So scheinen in den Zeiten des Niedergangs (oder Triumphs) des Kapitalismus Spitzen- und Breitenschach tatsächlich unvereinbar geworden zu sein und man muss eine politische Entscheidung treffen. Meine persönliche Meinung ist, daß der HSchV zwischen Pest und Cholera korrekt die Cholera gewählt hat, da Spitzenspieler genügend andere Möglichkeiten haben.
(Wenn man sich ansieht, wieviele junge Talente in Hamburg
immer wieder hochkommen, scheint es an Förderung jedenfalls nicht zu mangeln.)

Mitbürger, Freunde, Römer, HEM-Teilnehmer, Großmeister, Vereinsvorsitzende, HSchV-Vorstand! Hat der Hauke wie immer recht oder erzählt er nur dummes Zeuch? Schickt Kommentare, Diskussionsbeiträge, Ideen zur Verbesserung der HEM, 1 Million in Bitcoins für Preisgelder, etc. an eine meiner bekannten Email-Adressen. Wer weiß, vielleicht hat jemand von Euch die geniale Idee, wie man die HEM gleichzeitig für alle Kategorien attraktiv macht und auch Hamburg bei der DEM würdig vertritt.

Hauke Reddmann