Simultanvorstellungen
Es wird ein Mädchen!
Damit haben wir schon mal den dringenden Informationsbedarf der Leser
der unterhaltenden Frauenzeitschriften befriedigt und wir können zum Relevanten
(Schach) kommen. :P (Es sei aber noch einmal betont, weil wir ja alle stolz auf unser
Schach sind: welche andere Leistungssportart könnte eine werdende
Mutter ausüben?)
[Nr. 1 - Informationen: Andre Schulz, Fotos: Uwe Schröder]

Gleich zwei Simultanvorstellungen starker Frauen gab es in
der letzten Woche. Die erste war von GM Elisabeth Pähtz im
schönen Stavenhagenhaus in Groß Borstel. Die einzige deutsche
GM (das ist deutlich mehr als WGM!) ist öfter mal in Hamburg,
weil sie für SKJE 1 spielt. Insofern lag es nahe, daß der
rührige Groß Borsteler Kommunalverein und seine Schachgruppe,
die auch schon andere Events angeleiert hatten (z.B. ein
Schönberg-Vortrag mit Pianist und Schachspieler Volker Ahmels),
eine Einladung schickte (der LL-Kampf war ja einen Tag später -
diese Partie gewann Elizabeth, genauso wie das Simultan mit 16:4.

Vor dem Simultan gab es noch einen spannenden Vortrag von Elizabeth:
"Wie Großmeister denken".

Gdanski-Arkell, Schwarz am Zug. Wenn Schwarz hier nichts unternimmt,
muss er mit Minusbauern noch lange leiden. 1...c5 hatte HR in einer
Zehntelsekunde auf dem Radar, doch 2.Sxc5 Lxc5 3.Dxc5 Dd1+ 4.Kh2
ist zu dünn. (HR wollte eh mit Dc2 und Se3 gabeln, aber das
funktioniert weg. Df1 auch nicht.) "Dann opfer ich halt vorher irgendwo anders",
trompetete HR, und er kann zwar nicht rechnen, aber sein Gefühl
ist immer richtig. Wobei: Die Engine sagt, daß der gesuchte Zug nur um
0.1 besser ist als "Nichtstun" und Weiß immer noch einen Mehrbauern
behält, auch bewertungsmäßig.
Leerraum unten oder alles mit CTRL-A markieren zum Entspoilern:
1...g5!! reißt nach 2.hxg5 die h-Linie auf,
so daß nach 2...c5 3.Sxc5 Lxc5 4.Dxc5 Dd1+ es kein Versteck mehr vor
dem Dauerschach gibt, denn auf irgendwann Kg2 folgt kaltlächelnd
Sf4+!! und das Remis ist unterschreibereif. Weiß muss schon
2.Lc1! gxh4 3.Dg4+ Kh8 4.Df3!! finden, um weiterzuspielen.
[Nr. 2 - Informationen: Dieter Steinwender, Fotos: Blankenese]
Nur wenige Tage später erfolgte die (deutliche etabliertere -
schon alles, was Rang und Namen in im deutschen Frauennationalteam hat,
ist bereits zu Gast gewesen) Fortsetzung mit WIM Lyubka Genova,
die mit Ehemann Genov, selbst GM, angereist war. Man konnte es fast
Deja Vu nennen: auch Lyubka eröffnete mit einem kleinen Vortrag
(pikanterweise war ein Sieg in sehr jungen Jahren ausgerechnet
gegen Pähtz dabei).

Danach ging es an 22 Brettern los, das Ergebnis war mit 17.5:4.5
vergleichbar, der ELO-Abstand wohl auch, nur ließ sich Lyubka
deutlich mehr Zeit und die Mensa schloss erst um 1 Uhr nachts :-)
P.S. Oh doch, noch ein Unterschied fiel dem Schachkenner auf: Elizabeth
ist 1.d4-, Lyubka genauso konsequent 1.e4-Spielerin.

Hauke Reddmann (hat natürlich beide Male fairerweise nur zugeguckt)